Tashidelek!, 21. Mai 2012 Jetzt ist es endlich soweit. Wir sind endlich in Tibet angekommen. Die letzten Tage in Chengdu waren eher entspannt. Haben - wie es sich zum Sonntag gehoert - ausgeschlafen und lange gefruehstueckt. Am Nachmittag waren wir shoppen und sind noch ein wenig durch die Stadt gelaufen. Leider wurde es mit der Luft nicht besser, eher im Gegenteil. Gegen Abend haben wir uns von Yanik und Daisy verabschiedet, die sich auf den Rueckweg nach Shanghai gemacht haben. Martin und ich sind dann noch ein bisschen durch die Mall geschlendert und nach einem sehr interessanten Gespraech mit einem Englaender ins Bett, mit der Vorfreude auf Lhasa und unsere Zeit in Tibet. Und gluecklicherweise konnten wir Chengdu tagsdrauf verlassen, da es seit Mitternacht furchtbar geregnet hat und auch tagsueber nicht aufhoerte. Einmal in der Luft erfreuten wir uns an dem blauen Himmel, den wir nun seit Tagen das erste Mal sahen. Bei purem Sonnenschein und bomben Wetter wurden wir am Flughafen schon von unserem Guide (Sonam irgendwas) und Fahrer (Samdu) erwartet. Super die beiden. Ich glaube wir werden sehr viel Spass miteinander haben. Der erste Eindruck von Tibet war umwerfend. Die Landschaft ist sehr karg und felsig. Die Autobahn zwischen Flughafen und Lhasa (ca. 60 km) sehr neu, kaum Autos, alles eher ruhig (im Gegenteil zu China) und trotzdem gibt es ein wenig Vegetation und riesige Fluesse. Wir fuhren also zuerst in die Agentur, wo wir herzlich willkommen gehiessen wurden und ein kleines Schwaetzchen mit dem Inhaber bei Tee gehalten haben. Nachdem auch die letzten Formalitaeten geklaert wurden, sind wir ins Hotel gefahren (Gorkha Hotel). Ein Schatz von einem Hotel! Im tibetischen Stil, sehr farbenfroh, ein riesen Zimmer. Gibt echt Bonuspunkte fuers Hotel. Nach einem kleinen Schlaefchen gab es Abendessen im benachbarten Hotel/Restaurant... lecker indisch! Ich habe es sooo vermisst! Ich muss sagen bisher alles wunderbar. Gerade sind wir noch ein wenig allein umhergelaufen. Wir sind in der Altstadt untergebracht, was wie meistens enge Gaesschen bedeutet. Die Architektur ist schlicht, aber bunt und sehr interessant. Ich habe bisher nicht viele Fotos gemacht und ich glaube, dass wird sich jetzt aendern. Wir sind fuer morgen mit unserem Guide verabredet und gespannt, was es zu sehen gibt. Und fuer alle die sich wundern - teu teu teu, aber bisher merken wir von der Hoehe (3650m). Vielleicht bekomme ich gerade ein wenig Kopfschmerzen, aber wir trinken sehr viel Wasser und Tee (und ein Bier zum Abendessen konnten wir uns auch nicht verkneifen) - und muessen daher auch permanent aufs Klo. Das nervt ein wenig, aber wir lassen es die naechsten Tage ruhig angehen. Es bleibt also spannend... 22. Mai 2012 Nach einer eher schlaflosen Nacht ging es heute Morgen zack zack auf zum Sightseeing. Unser Guide hatte ein eher forsches Tempo aufgelegt, was mir schnell ein wenig zu viel war. Als erstes ging es in den Jokhang Temple. Der Tempel ist einer oder nicht sogar der aelteste Tempel in Tibet und mitten in der Altstadt. Derzeit ist in Tibet ein heiliges Fest, weswegen es viele Pilger gibt, die im Kreis tagein-tagaus laufen und beten oder sich gar rutschend auf Knien, Bauch und Haenden fortbewegen (im Uhrzeigersinn immer um den Barkhor). Man erkennt auf jeden Fall die bedingungslose Hingabe zur Religion (am Rande: die Polzei- und Armeepraesenz derzeit ist unbeschreiblich - alles und jeder wird ueberwacht, Sicherheitskameras sind rund um den Platz angebracht und alle mit Knueppel und Gewehr bewaffnet). Im Tempel gibt es mehrere kleine Kapellen, die unterschiedlichen Buddahs, Lamas oder Master (Tiefglaeubige) gewidmet sind. Die Glaeubigen stellen sich in einer Reihe an um von Kapelle zu Kapple zu gelangen, ein mal durch den ganzen Tempel durch. In den Kapellen wird Yak-Butter auf die brennenden Kerzen gegossen und kleine Geldspenden geleistet. Das ganze Prozedere dauert dann bestimmt 2-3h (unsere Schaetzung). Wir haben das eher kurz gehalten, aber dennoch eine Menge ueber Buddahs und die Religion und Geschichte erfahren. Die Aussicht von der Dachterasse war auf jeden Fall spektakulaer. Vor dem Jokhang gibt es einen grossen Platz, den Barkhor. Dazu gehoeren die quadratisch angelegten Strassen um den Tempel, welche voll mit kleinen Staenden sind, wo allerlei Prassel verkauft wird. In der Mittagssonne da umherzulaufen war zwar interessant, aber auch anstrengend. Die Sonne brennt ganz schoen (haben uns auch gut verbrannt) trotz das es im Schatten nicht heiss ist. Ab Morgen werden strengere Vorsichtsmassnahmen getroffen. Einen Hut habe ich mir heute schon gekauft, damit wenigstens die Kopfhaut heil bleibt. Die ganze Altstadt ansich ist voller Staende und kleiner Laeden. Alles eher mindere Qualitaet, weswegen wir jetzt nichts weiter gekauft haben. Aber nett zum bummeln. Am Nachmittag sind wir dann in den Sommerpalast (Norbuligka - "Juwelen Park"). Mit kaum Touristen und wirklich schoener Parkanlage sehr entspannend. Der Norbuligka wurde vom 7. Dalai Lama gegruendet und als Verwaltungsstuetzpunkt im Sommer genutzt. Wahrscheinlich wegen der friedlichen Parkanlagen, etwas abseits von der doch hektischeren Stadt. Das Gebiet wurde von den folgenden Dalai Lamas immer weiter ausgebaut. Auch der jetztige 14. Dalai Lama hat fuer sich ein "Verwaltungsgebaeude" errichten lassen. Lt. Lonley Planet wurde in dem Haus nichts veraendert, seit der DL im Exil lebt. Meist gehoert zu einem Gebaeude eine Art Thronsaal, von welchem der DL zu den Glaeubigern betet, ein Empfangszimmer, wo auslaendische Gaeste empfangen werden, kleine Privatgemaecher zum ausruhen, meditieren, schlafen. Wir waren in dem alten Teil des Sommerpalastes im Gebaeude vom 7. DL und im neueren Teil in den Gebaeuden des 13. und 14. DL. Hat dann auch gereicht. Das Gelaende ist riesig und wir sind brav gelaufen, in der prallen Sonne. Weswegen ich dann auch nicht so boes war, als unser Guide verkuendete, dass es das dann fuer das heutige Programm war. Wir wurden zum Hotel zurueck gebracht, wo ich erstmal ein kleines Schlaefchen zwischenschieben musste. Danach sind wir zu zweit noch ein bisschen durch die Gassen der Altstadt gebummelt und gerade vom Essen zurueck. Morgen gibts dann wieder mehr. Potala Palace ... YEAH! 23. Mai 2012 Juhu! Heute endlich mal wieder ausschlafen und dann haben wir endlich den Potala Palace besichtigt. Dieser war im 7. Jhd Koenig Songtsen Gampo's Palast und wurde im 17. Jhd vom damaligen DL erweitert und als Sitz erkohren. Der Palst ansich erinnert ein wenig an ein Fort, aber ueberdimensional gross und mitten auf einen Felsen gebaut. Super beeindruckend alles! Da ja hoch und auf einem Felsen war das Vergnuegen mit einem kleinen Aufstieg verbunden. Man man, da merkt man doch, dass man nicht ganz auf Seelevel ist. Und das noch um 1 Uhr Mittags und die Sonne knallte nur so auf uns. Also haben wir ganz schoen gekeucht, trotz dass wir langsam die Treppen hoch gestiegen sind (und dummerweise merke ich immer noch meine Waden von unserer Bergtour in China). Leider gibt es von chinesischer Seite wieder Regulationen, weswegen eine Gruppe derzeit nur 50 Minuten im Palast bleiben darf, sonst gibt es Strafen und die naechsten Gruppen der Agentur bekommen keine Karten. Von daher sind wir auch ein wenig durchgehastet, was ich sehr schade fand, denn auch das Innere des Palastes ist mystisch beeindruckend und ich haette mich gerne laenger umgeschaut. Im Endefekt gibt es wieder Kappelen, Meetingraeume des DL mit den Moenchen, auslaendischen Staatsgaesten, Bibliotheken, und die meisten DL sind da begraben. Fuer jeden DL wurde eine mehr oder weniger (bis ueber 9m) hohe Stupa im Inneren errichtet, voll aus Gold mit Edelsteinen ueberzogen (Hoehe und Prunk variieren je nach Wichtigkeit des DL), in welcher sich der Leichnahm des jeweiligen DL befindet. Das fand ich am beeindruckendsten. Der 7. DL zB hat eine Stupa aus fast einer halben Tonne Gold und diese wurde bereits 1757 gebaut! Ich find das toll. Irgendwie. Nach dem Palast sind wir Richtung Sera Monestery aufgebrochen und haben am Weg dahin noch ein kleines Mittagessen eingeschoben. Tibetische Nudeln mit Yakfleisch. Hatten wir gestern Abend schon, schmeckt ausgezeichnet. Yak schmeckt aehnlich wie Rind, nur ein wenig weicher hat es den Anschein. Gerade hatten wir Yak-Dumplings. MHHHHH! Das leckerste, was ich bisher gegessen hab. Also das Sera Kloster ist eines der beiden groessten Gelugpa Kloester (das ist die "Sekte" in welcher auch der DL ist = Oberhaupt und eine von drei Sekten insgesamt in Tibet). Das Kloster wird sehr aktiv genutzt und es leben viele Moenche da, welchen wir beim debatieren im Innenhof zuschauen konnten. Ansonsten gibts die ueblichen Buddahs, Gebetsraeume, Kappelen etc. Langsam werden wir zu kleinen buddistischen Experten erzogen . Nach diesem Ausflug ging es zurueck in die Stadt, wo wir dann endlich in einem Ramschkaufhaus meine Jacke gekauft haben. Und so habe ich mich fuer knapp 12EUR fuer die kaelteren Gefilde ausgeruestet. Anschliessend gab es wieder ein kleines Nickerchen fuer mich. Derzeit koennte ich die ganze Zeit schlafen (was ich nicht schlecht finde). Andere kleinere Nebenwirkungen sind uebigens trockene Haut und meinen Lippen platzen glaub ich bald. Und Nasenbluten. Martin hats gestern auf der Strasse erwischt, mich grade eben waerend ich schrieb. Gut das ich derzeit immer Taschentuecher einstecken hab. Wegen oeffentlichen Toiletten und anderen Abartigkeiten . Morgen geht es dann raus aus Lhasa, an den Namtso See, uebermorgen dann wieder zurueck nach Lhasa und tagsdrauf dann auf nach Westen. Werde also erst wieder in ein paar Tagen schreiben koennen. Kaleepay und Gruesse an alle!
Tibet
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